Date mit Verantwortung

2–3 Minuten

Der Wind peitscht ums Haus, durch ein paar Ritzen pfeift es durch. Es ist um die 0 Grad. Nicht gerade gemütlich ohne Heizung, ohne dicke Schlafsäcke. Was wir aber in diesem ungedämmten Haus haben, ist ein Kamin. Ein schöner offener kleiner Kamin, der halbwegs Wärme schenkt. Ein Kamin, in dem man jede Stunde Holz nachlegen muss. Das in der Nacht.

Und ich bekomme die Aufgabe, den Kamin zu befüllen – Woche für Woche, Nacht für Nacht. Es ist meine Verantwortung. Ein Date mit der Verantwortung. Verantwortung und Ich, nee danke!

Was ist überhaupt Verantwortung? Ist es eine Antwort? Ist es eine Ortung? Es ist jedenfalls ein Wort. Es beinhaltet ein Ja – ein Ja zu dem, worauf sich die Verantwortung bezieht.

Also gab ich mein Ja dazu, jede Stunde nachts aufzustehen und Holz nachzulegen.

Hast du das schon mal gemacht? Jede Stunde aufzustehen? Mehrere Minuten zu warten, ob das Feuer wirklich in Gang gesetzt ist? Und das jede Stunde? Gerade tief eingeschlafen, aus dem Traum gerissen – dein Date mit dem Feuer wartet…

Das kann einen ganz schön zermürben, müde machen und Nacht für Nacht kann es schwerer fallen, aufzustehen, und erst recht den Tag freudig und energiegeladen zu durchleben. Denn der Alltag, die Arbeit, der Partner, die Familie, die Haustiere, die Freunde oder Nachbarn – sie alle warten auf mich und meine Präsenz tagsüber. Vielleicht komme ich an einen Punkt – vielleicht auch mehrmals – an dem ich am liebsten alles hinschmeißen würde, mir eigentlich alles egal ist. Eigentlich egal, und eigentlich gar nicht egal. Denn ich habe die Verantwortung dafür. Ich hatte mein Ja gegeben.

Nun könnte ich die Verantwortung abgeben, jemand anderes könnte sich um das Feuer kümmern. Oder ich kaufe sehr gute dicke Schlafsäcke. Eine weitere Idee wäre sich eine Unterkunft mit Heizung oder in wärmeren Gegenden zu organisieren. Das sind super Ideen, sehr lösungsorientiert. Lerne ich dabei Verantwortung? Nur teils. Stelle ich mich der Herausforderung? Nur teils. Wachse ich mit der Verantwortung? Eher weniger.

Kennst Du das aus anderen Situationen? Vielleicht mit deinem neugeborenem Kind, mit Katzen- oder Hundebabys? Oder mit ganz anderen Themen, auf Arbeit zum Beispiel? Ein Marathonlauf mit einem Freund? Oder auch in deiner Partnerschaft? Oder kennst du diese Situation sogar selbst vom Reisen oder deinem Leben in einem anderen Land?

Du hast Ja gesagt, eine Aufgabe übernommen, die dich fordert, dir deine ganzen Kräfte abverlangt, dich bis an deine Grenzen bringt. Wie gehst du damit um?

Ich sage zu mir: „So girl, go out there and grow. Gehe hin und stelle dich der Herausforderung, deiner Verantwortung. Egal, welcher Sturm aufkommt, egal ob du schwankst. Du schaffst es! Und du wirst größer herauskommen.“

So nehme ich die Herausforderung an, lege Nacht für Nacht, Stunde um Stunde das Holz nach, stehe zu meinem Ja. Und verabrede mich mit meiner Verantwortung.

Und das Beste dabei? Mitten in der Nacht um 5 Uhr, nach nur 4 Stunden Schlaf, purzeln Wörter aus mir heraus. Und ja, jetzt ist es Zeit aufzustehen, mich auf den Tag vorzubereiten.

Und weißt du was? Ich freue mich auf das heutige Date mit meiner Verantwortung.

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